Impulse für das Gesundheitswesen: Der Club der Gestalter

Shownotes

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ – Wenn du im Gesundheitswesen arbeitest, hast du diesen Satz garantiert schon tausendmal gehört. Und wahrscheinlich rollst du genau wie ich innerlich mit den Augen.

Hallo und herzlich willkommen zur allerersten Folge! Ich bin Annette Szabó und freue mich riesig, dass dieses Herzensprojekt jetzt endlich online ist. In dieser Premiere erzähle ich dir, warum es diesen Podcast überhaupt gibt und warum wir aufhören müssen, uns als Opfer des Systems zu fühlen.

Nach fast 20 Jahren im Gesundheitswesen – von meinen geliebten Anfängen als OP-Schwester über die Identitätskrise nach einem Bandscheibenvorfall bis hin zum Klinikmarketing – weiß ich aus eigener Erfahrung: Wahre Veränderung wartet nicht auf die große Politik. Sie beginnt im eigenen Team, bei guten Prozessen und in der Art, wie wir miteinander kommunizieren.

In dieser Folge erfährst du:

Warum wir den „Antisatz“ endlich aus dem Fenster werfen müssen.

Was den „Club der Gestalter“ ausmacht und für wen dieser Podcast ist.

Warum Kommunikation die Basis für jede gute Behandlung und ein starkes Team ist.

Was dich in den kommenden Folgen erwartet (Spoiler: Freu dich auf Gäste wie Michaela Küpper und Anja di Stefano!).

Schön, dass du dabei bist! Lass uns gemeinsam die Ärmel hochkrempeln.

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Transkript anzeigen

Transkript: Impulse für das Gesundheitswesen – Der Club der Gestalter (Premiere)

(Intro-Musik setzt ein)

Annette Szabó: Hallo und herzlich willkommen zur allerersten Folge meines Podcasts! Und ich freue mich jetzt wirklich so unfassbar darüber, dass dieses Ding jetzt endlich online ist. Es ist ein absolutes Herzensprojekt von mir. Und heute möchte ich euch ein bisschen was darüber erzählen, was ich mir dabei gedacht habe, warum es mir so sehr am Herzen liegt, was ich damit erreichen möchte, was ihr hier auf die Ohren bekommt. Und ja, das alles gibt's gleich, aber jetzt starten wir erstmal richtig los.

(Podcast-Intro mit Musik) „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Ein Satz, den wirklich jeder im Gesundheitswesen schon mal gehört hat und der nur eins bedeutet: Stillstand. Aber wir wollen nicht mehr einfach nur funktionieren und Opfer des Systems sein. Deshalb schmeißen wir hier im Club der Gestalter alte Muster einfach aus dem Fenster. Hier geht es ums Anpacken, ums Verändern – für dich, dein Team und deine Patienten. Damit der Job wieder Spaß macht und nicht nur Nerven kostet. Ich bin Annette Szabó. Und nun wünsche ich dir ganz viel Spaß bei dieser Folge.

Annette Szabó: Starten wir einfach mal mit dem Titel „Das haben wir schon immer so gemacht“. Ja, dazu kam es, weil ich mir die Aufgabe gestellt habe, einen möglichst langen und sperrigen Titel für den Podcast zu finden. Nein, natürlich nicht. „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist ein Satz, den jeder, der im Gesundheitswesen arbeitet, schon mal irgendwann gehört hat. Und ich arbeite seit jetzt fast 20 Jahren im Gesundheitswesen. Und ich glaube, von Sekunde eins habe ich diesen Satz zu hören bekommen. Und von Sekunde eins hat mich dieser Satz immer schon irritiert. Also für mich ist das so ein absoluter Antisatz.

„Das haben wir schon immer so gemacht“ – da schwingt so eine große Resignation mit. Da hat man keine Lust, Dinge zu hinterfragen, man nimmt sie einfach hin, führt sie aus. Mir doch egal, was daraus wird oder ob das jetzt gut ist oder schlecht ist oder wie auch immer, ich habe meinen Teil gemacht, fertig aus, alles andere interessiert mich nicht. Das schwingt für mich in diesem Satz mit. Und wie gesagt, jeder, der schon mal im Gesundheitswesen gearbeitet hat, kennt diesen Satz. Und für mich ist das der absolute Antisatz.

Also, wir müssen ja jetzt nicht jeden Tag aufstehen und jeden Tag das Rad neu erfinden, darum geht's auch gar nicht. Aber ich finde, es ist einfach gut und angebracht, mit der Entwicklung mitzugehen und bestimmte Prozesse und Abläufe einfach mal zu hinterfragen und zu gucken: Können wir es jetzt, Stand heute, nicht besser machen, als wir es gestern gemacht haben?

Und für mich ist das auch so, das trennt so ein bisschen die Spreu vom Weizen. Es trennt die Gestalter, die Menschen, die anpacken wollen, die was verändern möchten, die es zum Positiven wenden möchten, trennt sie einfach von denen, die sich dem System komplett ergeben haben, die einfach nur noch Opfer sind und irgendwie versuchen, in diesem System zu überleben. Und wir alle, die in diesem System arbeiten, wir kennen dieses System. Wir wissen um die schlechten Rahmenbedingungen, wir wissen, wir kennen und spüren den Druck jeden Tag. Wir wissen, dass wir und die Politik vor großen Herausforderungen stehen, dieses System wieder zu, ja, gesund zu machen, in Anführungszeichen, wenn wir mal in diesem Sprachkontext bleiben wollen. Aber dennoch stehen ja jeden Tag Menschen auf und versuchen, es besser zu machen. Und vor allem stehen jeden Tag Menschen auf, die trotzdem Bock auf ihren Job haben. Die trotzdem Bock darauf haben, heute für ihre Patienten und für ihr Team, für ihre Teammitglieder einfach was richtig Gutes zu machen und zu gestalten.

Und das merken wir alle. Ich bin hundertprozentig sicher, jeder kennt so eine Praxis oder eine Station oder ein Pflegeheim oder was auch immer – es ist vollkommen wurscht, was wir für eine Organisationseinheit im Gesundheitswesen nehmen. Jeder kennt sie, diese eine Praxis, wo alles super läuft, wo man reinkommt, wo man so mit einer schönen, warmen Atmosphäre empfangen wird, wo die Prozesse sitzen, wo die Patienten so einfach so durchflutschen, wo man vielleicht auch nicht lange warten muss im Wartezimmer. Es gibt keinen großen Bedarf an Fragen, weil einfach alle Informationen mir schon so zugespielt werden, dass ich mich als Patient da wirklich gut aufgehoben fühle und durch diesen Behandlungsprozess durchrutsche, in Anführungszeichen. Wo das Team gut zusammenarbeitet, wie gesagt, es herrscht eine gute Atmosphäre, die Praxis wird aufgeräumt, die Leute haben Bock, die da arbeiten. Das kennen wir alle. Jeder kennt so eine Praxis, jeder kennt so eine Station, jeder kennt so ein Pflegeheim. Jeder hat das schon mal erlebt und weiß, wie cool das ist. Wie cool das ist, und man fragt sich: Wie schaffen die das?

Weil auf der anderen Seite gibt es natürlich auch andere Organisationseinheiten – nimm Praxis, Station oder was auch immer – wo man reinkommt und als Patient schon das Gefühl hat: Oh, ich muss mich jetzt entschuldigen, dass ich überhaupt da bin. Wo gar nichts läuft, gefühlt. Also wo schon das Team mit entsprechenden Gesichtern, sage ich jetzt mal, durch die Gegend läuft, wo ein Ton herrscht, wo man am Telefon nicht durchkommt, wo man wirklich das Gefühl hat: Ich traue mich jetzt gerade gar nicht, meine Frage zu stellen, die mir als Patient jetzt aber einfach unter den Fingernägeln brennt und ich jetzt das einfach brauche, damit ich Sicherheit aufbauen kann, damit ich mich gut aufgehoben fühle. Aber ich traue mich nicht, diese Frage zu stellen, oder ich werde dann einfach kurz so abgewatscht und kriege irgendeine kurze Information um die Ohren gehauen, sage ich jetzt mal, und man geht so raus und denkt: Nee, irgendwie fühle ich mich da jetzt überhaupt nicht abgeholt. Das kennen wir auch alle. Und die große Frage ist: Warum schaffen es die einen im gleichen System? Natürlich können wir jetzt Haare spalten und von Fachrichtung zu Fachrichtung und so, und warum haben es die Zahnärzte leichter wie vielleicht die Allgemeinmediziner? Aber ich meine ja nur, letztendlich arbeiten alle im gleichen System. Warum schaffen es die einen, so eine tolle Praxis zu generieren oder eine tolle Station, und warum schaffen es die anderen vermeintlich nicht? Und das ist ja die große Frage: Woran liegt das?

Und ich habe es ja schon erwähnt, ich arbeite seit 20 Jahren im Gesundheitswesen, angefangen habe ich im OP. Und also näher am Patienten kann man, glaube ich, nicht arbeiten wie da. Und ich weiß, ich habe in der Zeit so viel gelernt, wie wichtig eine gute Kommunikation ist. Und deswegen ist Kommunikation ja auch mein Steckenpferd, weil ich weiß: Ohne eine gute Kommunikation findet keine gute Behandlung statt. Kommunikation ist die Basis dafür, dass wir gut unsere Patienten behandeln können und dass wir uns wohlfühlen im Team. Und ich habe im OP aber auch gelernt, wie unfassbar... na ja, ich will jetzt kein nettes Wort sagen, mir fällt aber gerade keins ein... blöd es sich anfühlt, wenn ich mit Lösungen – Digitalisierungslösungen oder Kommunikationslösungen oder wie auch immer, was auch immer – arbeiten muss. Das muss ich erledigen, das gehört zu meinem täglichen To-do, aber diese Lösungen haben nichts mit meiner Realität zu tun. Die passen überhaupt nicht zu meinen Prozessen, die passen nicht zu unseren Abläufen, die passen nicht zu unserem Team. Wie eckig und sperrig sich das anfühlt und wie viel Frust das generiert.

Und deswegen ist für mich so Kommunikation, ja, wie soll ich das sagen, das wichtigste Element, um das sich für mich einfach die Behandlung dreht. Und die muss so gut sein auf allen Ebenen, also im Team als auch nach außen, nach innen, zum Patienten, zum Patienten nach außen, im Team, Team-Patient, wie auch immer, also auf allen Ebenen, dass es zur Einheit passt. Und deswegen ist Kommunikation für mich auch ein ganz, ganz wichtiges Element für eine gute Organisationsentwicklung. Was ist Organisationsentwicklung? Organisationsentwicklung ist, wenn ich mich mit meinem System, in dem ich arbeite, auseinandersetze, mir die Prozesse und Abläufe anschaue, die Schnittstellen und so weiter und so fort. Also alles das, was quasi meine Organisation, ich sage jetzt mal, beinhaltet, mir das alles anschaue auf verschiedenen Ebenen und versuche, das so optimal zu gestalten, dass mein Team gut arbeiten kann, dass meine Patienten sich wohlfühlen und dass die Kommunikation einfach gut läuft. Und das ist eigentlich so das Wichtigste, was ich im OP gelernt habe: hinzuschauen.

Deswegen hat mich auch dieser Satz immer so wahnsinnig irritiert: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Weil das genau dem völlig entgegensteht, für was ich stehe und für was ich jeden Tag kämpfe. Ich möchte, dass die Menschen im Gesundheitswesen sehen: Sie haben Gestaltungsfreiheit. Wir alle wissen, wir haben total beschissene Rahmenbedingungen, die Politik kommt nicht aus dem Quark, wir haben viel Druck, wir haben viel zu tun und, und, und. Also wir könnten diese Negativliste ja wirklich ausführen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Das wissen wir alles. Aber wir können jetzt im Moment nichts daran ändern. Und ich möchte, dass die Menschen im Gesundheitswesen, die richtig Bock auf ihren Job haben, die ihren Job mit Leidenschaft erfüllen, die gerne Arzt, Schwester, MFA, Pflegekraft – man darf nicht mehr Schwester sagen, ich weiß, Entschuldigung – egal an welcher Stelle sie im Gesundheitswesen arbeiten... ich möchte, dass die sich ein Arbeitsumfeld gestalten, aktiv, für sich und für ihr Team und für ihre Patienten, sodass sie jeden Tag das abrufen können, was sie einfach gut macht in ihrem Job.

Und die gibt's, diese Gestaltungsfreiheit gibt es auch in diesem System, in diesem maroden System. Und was mir all die Jahre, die ich jetzt schon in diesem System arbeite, aufgefallen ist, dass es immer mehr Opfer gibt. Also ich meine das jetzt auch gar nicht wertend, ja, auch die haben ihre Geschichte und die haben ihren Grund, warum sie so die Einstellung haben und ihre Frustration einfach so groß ist, dass sie in Resignation gemündet ist. Aber es gibt immer mehr Opfer, die einfach von diesen ganzen negativen Bedingungen wie erdrückt sind. Und das sind genau die Praxen und Stationen und was auch immer, die von uns als Patienten unfassbar negativ wahrgenommen werden, die eine schlechte Google-Bewertung haben und, und, und. Wo wir eigentlich nicht mehr hinmöchten, aber aus irgendeinem Grund manchmal einfach darauf angewiesen sind, weil sie halt einfach die einzige Praxis in der Fachrichtung sind, die noch Termine vergibt oder, oder, oder. Also egal.

Das ist mein Antrieb für diesen Podcast. Ich möchte, dass die Menschen sehen, es gibt Gestaltungsfreiheit. Und natürlich ist es erstmal ein Invest, wenn ich sage, ich schaue jetzt mal hin auf meine Prozesse, ich kümmere mich um meine Organisationsentwicklung. Das ist natürlich erstmal ein Invest von Zeit und Geld, keine Frage. Aber langfristig ist es einfach der Grundstein dafür, dass ich mir eine Basis schaffe, dass ich gut arbeiten kann und das wird sich irgendwann auszahlen. Und das ist auch das Geheimnis dieser wundervollen Praxen, wo ja alles so toll läuft und wo wir uns wohlfühlen: Die haben hingeschaut. Die haben ihre Prozesse im Blick, die haben mal wirklich vielleicht, was ich ja immer rate, einfach mal die Patientenreise des Patienten – also im Marketing spricht man da von Kundenreise, ich versuche es jetzt gerade irgendwie vom Wording her umzumünzen auf Patienten – also die Kundenreise des Patienten einfach mal aus Sicht des Patienten zu durchlaufen und zu gucken, wie er das empfindet, was er braucht. Da hat man immer neue Erkenntnisse, wenn man das einfach mal aus dieser Perspektive betrachtet. Und diese Praxen haben wirklich es geschafft, ihre Prozesse und Abläufe zu optimieren, ihre Organisation so weiterzuentwickeln – und da ist die Prozessanalyse und die Prozessoptimierung Basisarbeit – damit ein Umfeld geschaffen wird, wo das Team gut arbeiten kann, wo der Patient sich wohlfühlt. Und das ist das Ziel.

Jeder im Gesundheitswesen hat eine gewisse Gestaltungsfreiheit. Und ich weiß das auch, ich habe schon an den unterschiedlichsten Stellen im Gesundheitswesen gearbeitet. Ich konnte ja irgendwann... musste ich ja wirklich den OP verlassen, weil ich eine Bandscheibe hatte, die immer im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe getanzt ist. Und zwar so lange, bis eine Operation kam und dann war sie weg. Und ich für mich festgestellt habe: Ich kann nicht mehr zurück in den OP, ich kann das nicht mehr Vollzeit machen. Und ich in eine ganz tiefe Trauerphase gefallen bin, also anders kann ich das gar nicht beschreiben. Das war wirklich... ich liebe die OP-Arbeit. Der OP ist der Bereich, wo ich mich maximal, also 110 Prozent, wirksam fühle. Ich habe das mit einer Leidenschaft gemacht, ich habe unfassbar gern mit den Patienten gearbeitet, mit den Chirurgen, im Team – das... und auch heute noch, wenn ich in einen OP komme, das ist einfach meine Welt. Und diese Welt war mir irgendwann verwehrt, also ich wusste, ich werde hier nicht lange bleiben, nicht bis zur Rente. Und bin ja dann vom OP weg, nach einer, wie gesagt, ganz tiefgreifenden Identitätskrise. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, und ich will da gar nicht übertreiben, aber ich wusste zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht, wer ich bin ohne Kittel und Röntgenschürze. Das war für mich nicht definiert, diese Frage. Und das hat mich dann schon ein Stück weit in eine Resignation getrieben.

Und durch Zufall habe ich dann eine interne Stellenausschreibung gesehen in der Klinik, wo ich derzeit tätig war, und die haben Mitarbeiter gesucht fürs Marketing. Und ich dachte mir: Na ja, gut, schreiben konnte ich schon immer, ausdrücken musste ich mir Tatsache harte Arbeit, weil ich stottere eigentlich ursprünglich. Aber ich habe mich in meinem Leben schon sehr mit Kommunikation dadurch auseinandergesetzt und deswegen hat mich das einfach angesprochen. Und ich dachte, na ja, das probierst du jetzt einfach mal aus, mehr wie scheitern kann man ja nicht. Und bin dann eben ins Marketing gewechselt. Und muss aber auch dazu sagen, ich hatte zu dem Zeitpunkt einen Arbeitgeber – und ich möchte das an dieser Stelle wirklich betonen, weil ich das rückblickend auch noch sehr, sehr dankbar dafür bin und das für mich absolut keine Selbstverständlichkeit ist – ich hatte wirklich einen Arbeitgeber, der mich sehr viel hat... der mir sehr viel Raum gegeben hat zum Lernen, zum Ausprobieren. Ich habe dann wirklich mich in die unterschiedlichsten Bereiche von Marketing einarbeiten können, also Social Media oder dann auch die Webseite zum Schluss, wir haben dann einen Webseiten-Relaunch gemacht, das war dann so mein Einstieg zum Webdesign. Und ich durfte wirklich, wirklich lernen. Und für mich ist ja das Leben zum Lernen da, ich bin ja so ein Mensch, der immer gerne Neues lernt und sich da weiterentwickelt. Und habe dann das Glück gehabt, dass ich eben so einen Arbeitgeber hatte, der mir das ermöglicht hat. Und ich habe das genutzt und habe da wirklich einen Deep Dive gemacht für mich und bin dann also quasi vom OP ins Klinikmarketing geswitcht.

Und habe das dann aus einer ganz anderen Perspektive gesehen, dieses System, und das war für mich so, ja, wie soll ich das sagen, das war fast schon so eine Heureka-Erkenntnis, weil ich einfach wieder dieses verbindende Element Kommunikation für mich dann wieder gesehen habe. Also das, was ich im Prinzip, wo ich ja schon versucht habe, immer im OP sehr feinfühlig und hellhörig zu sein und hinzuhören, zuzuhören. Zuhören ist im OP wirklich ein ganz entscheidendes... eine entscheidende Fähigkeit, das denkt man gar nicht. Und ich mich ja auch, wenn ich dann da im OP... im Klinikmarketing war, mich immer als Teampflege dem Team Pflege zugehörig gefühlt habe. Habe ich dann einfach festgestellt: Okay, ich kann zwar nicht mehr mit meinen Kollegen an der – Achtung, Kriegsjargon soll man auch nicht verwenden, aber ich mache es jetzt einfach mal – an der Front, ich kann nicht mehr mit ihnen an der Front zusammenarbeiten, aber ich kann für sie arbeiten, indem ich einfach gute Kommunikationsstrukturen schaffe, immer aus Sicht und im Herzen als Teampflege. Und habe dann so für mich dann gemerkt: Okay. Und konnte mich dann auch mit dieser Situation abfinden, dass ich eben nicht mehr im OP arbeiten konnte, weil ich wirklich dann so das Gefühl hatte: Ja, ich kann was für die Kollegen tun. Also da meine ich jetzt natürlich erstmal dafür zu sorgen, dass die richtigen Patienten auf uns aufmerksam werden, da aber auch mit interner Kommunikation, also wie werden die Patienten auf den Behandlungsverlauf vorbereitet und, und, und. Und das war so schon immer meine Maxime und das war für mich schon immer im Fokus, dass ich für meine Kollegen dort gearbeitet habe. Genau.

Aber wie es halt so ist, ich bin ja auch ein Stück weit... ich würde mich jetzt nicht als Freigeist bezeichnen, doch ich würde mich als Freigeist bezeichnen. Ich bin ja auch ein Freigeist, und habe dann schon gemerkt, dass ich mich in diesen Verwaltungsstrukturen des, ja, wie soll ich das jetzt sagen... am Ende des Tages bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich freier arbeiten möchte, dass ich direkt mit Gestaltern zusammenarbeiten möchte. Ohne Gestaltern, in dem Fall Entscheider, ohne diesen ganzen, ich sage jetzt mal, Verwaltungskladderadatsch hintendran zu haben, das ist ja schon manchmal etwas mühselig. Genau, und habe mich dann selbstständig gemacht, genau in dem Bereich. Und auch wieder mit dieser Intention, dass ich für meine Kollegen, die am Patienten arbeiten, einfach was Gutes erreichen möchte. Und das ist ja auch so ein bisschen mein Unterscheidungsmerkmal von den Agenturen: Ich bin keine Agentur. Ich bin... ich gehe immer rein in die Praxis oder egal in welche Organisationseinheit, ich habe auch schon mit Kliniken gearbeitet. Und ich schaue mir immer an, wie das Team funktioniert, was da für eine Atmosphäre herrscht, ich versuche die Praxis wirklich in ihrer Ganzheit zu erfassen.

Und es ist ja zum Beispiel auch so beim Personalmarketing: Ich kann niemanden eine Personalkampagne verkaufen, in Anführungszeichen, ohne mal nachzufragen, warum er eigentlich ein Personalproblem hat, wo es denn da hackt, was da los ist. Und ganz oft kommen wir eben darauf, das sind irgendwelche Dissonanzen im Team und das Team kommt irgendwie nicht dahinter, dass es sich eine Basis schafft, wo es gut miteinander arbeiten kann. Also mein Ansatz ist dann da: Kampagne, die kommt erst ganz am Schluss, wenn ich meine Arbeit in der Praxis am Team erledigt habe. Wenn ich das Team so aufgestellt habe, wenn ich die Praxis so aufgestellt habe, dass es eben auch Spaß macht, sich da zu lohnen und dass die Kampagne am Ende dann auch wirklich das hält, was sie verspricht. Also ich sehe das ja ganz oft, dann tue ich mich wirklich schwer: Personalkampagnen im Gesundheitswesen, da wird gepusht, gepusht, gepusht. Und aber spätestens dann, wenn doch der Bewerber den Fuß über die Schwelle setzt, ist doch diese ganze Kampagne wie ein Zauber fort, oder? Also das muss sich doch dann anfühlen wie so ein bisschen eine Lüge. Natürlich weiß ich auch, dass viele Kollegen, die wissen ja ganz genau, dass diese Personalkampagnen... die wissen das schon richtig einzuschätzen. Die Leute sind ja auch nicht dumm, die dort arbeiten in diesem System, und die wissen auch, dass die eine Klinik im Vergleich zur anderen die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat. Aber nichtsdestotrotz finde ich jetzt zum Beispiel gerade für Arztpraxen, da hat man ja noch mal eine ganz andere Gestaltungsmöglichkeit. Ich muss erst das Team anschauen, bevor ich eine Personalkampagne mache. Und da muss ich vielleicht auch erst mal einen Teamworkshop machen oder ich muss intensiver mit dem Team arbeiten, um es so aufzustellen, dass der, der reinkommt, dann auch sich wohlfühlt und auch bleibt. Also eine Kampagne macht ja immer erst mal aufmerksam, und die Frage ist ja, was mache ich mit der Aufmerksamkeit, was mache ich mit den Interessenten? Und wenn ich dieses Thema zum Beispiel jetzt Personalmarketing – ich nehme jetzt einfach mal das Thema, weil das ja im Gesundheitswesen einfach so groß ist – da muss ich nachhaltiger arbeiten.

Und wenn ich nachhaltig arbeite an diesem Thema, sprich: ich arbeite an meiner Arbeitgebermarke, ich arbeite an meinem Arbeitgeberprofil und schaue, dass die Leute sich wirklich bei mir wohlfühlen und das bekommen, was sie brauchen, dann muss ich mir ja langfristig gar keine Gedanken um Personalmarketing machen, weil das sich ja nach außen trägt. Das ist ja genau das: Wenn ich meine Prozesse und Strukturen anpasse, dann merken das die Menschen, die jeden Tag in meine Praxis kommen. Und das sind die größten Multiplikatoren. Es sind die Menschen, die jeden Tag bei uns in der Praxis, auf Station oder wo auch immer behandelt werden, das sind die wichtigsten Multiplikatoren, die gehen raus und erzählen, die haben's erlebt, die können aus erster Hand sagen, wie es bei uns ist. Und so, das ist ja wie so ein Kreislauf, ne? Also da beißt sich die Katze auch irgendwann mal in den Schwanz.

Ich bin halt der Meinung, ich, die aus dem Gesundheitswesen kommt und dieses ganze System wirklich jahrelang inhaliert hat, will ich jetzt mal so sagen... ich sage, es bringt nichts, mit einer Personalkampagne zu starten. Du musst an deine Prozesse und Strukturen, du musst dich um deine Organisationsentwicklung kümmern. Ganz großes... ganz großes und wichtiges Wort in diesem Podcast wird das Thema Organisationsentwicklung sein. Und ich habe ja jetzt wirklich schon sehr viele... also ich kenne natürlich sehr viele Menschen, weil ich schon sehr lange in diesem System arbeite, ich habe aber auch jetzt sehr viele Gespräche geführt mit Menschen, die in diesem System arbeiten. Und es ist egal, mit wem ich rede. Ob das jetzt die Pflegeheimexpertin ist, ob das eine OP-Leitung ist, ob das eine Expertin zum Thema Gesundes Führen ist, ob das jemand ist, der Positionierungsexperte ist – es ist vollkommen egal, alle kommen zu dem Schluss: Es geht um die Menschen. Und da sind wir einfach wieder bei der Kommunikation, weil Kommunikation das bindende... das verbindende Element zwischen Menschen ist. Und durch meine Erfahrung im Gesundheitswesen, durch das, was ich alles lernen durfte in diesem System, auch durch die ganzen Skills, die ich mir aneignen durfte, bin ich eben darauf gekommen, diesen Podcast zu machen, weil ich die Menschen einfach wieder befähigen möchte. Ich möchte ihnen zeigen, es gibt Gestaltungsfreiheit. Du bist kein Opfer des Systems. Vielleicht situativ, aber nicht grundsätzlich. Und das ist meine Intention für diesen Podcast.

Und deswegen habe ich ganz viele Gespräche geführt mit Menschen, die in diesem System arbeiten, die für sich trotzdem einen Platz gefunden haben, trotz aller Widrigkeiten und schlechter Rahmenbedingungen und etc. pp.. Habe ich gesprochen, habe sie erzählen lassen, wie sie's machen, was sie für sich für Konzepte entwickelt haben. Ich habe aber auch eine ganz liebe Kollegin, die sich an diesem Podcast beteiligen wird, das ist die Anja di Stefano. Sie ist systemische Beraterin und sie macht Organisationsentwicklung in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und sie ist Coachin, Supervisorin. Und mit ihr unterhalte ich mich ganz isoliert zum Thema Teamentwicklung, weil das Team einfach... übers Team geht gar nichts. Und von mir gibt's ein paar Impulse und Input zum Thema Kommunikation, auch in Teilen ein bisschen Marketing, Sichtbarkeit, das wird da alles mit reinspielen. Und ich habe mich mit Menschen unterhalten, die Aspekte einbringen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun haben, aber die, glaube ich, für die Menschen im Gesundheitswesen sehr nützlich sein könnten. Einfach auch mal da ganz andere Impulse, genau, von wie gesagt Experten, die in ihrem Bereich... das kann jetzt zum Beispiel jemand sein, wie vorhin schon erwähnt, eine, die hat sich auf Gesundes Führen spezialisiert und coacht in dem Bereich. Und alles in allem geht es eben darum, dass wir nicht sagen, das haben wir schon immer so gemacht, sondern dass wir wirklich für uns die Möglichkeiten sehen, unsere Ärmelchen hochkrempeln und das Beste draus machen. Und da ist noch weit mehr möglich. Und dass wir dafür Sorge tragen, dass wir Verantwortung dafür übernehmen, dass wir den Job, den wir lieben, einfach gerne machen. Und dass wir einfach lernen, zum Gestalter zu werden und lernen, welche Möglichkeiten uns da offenstehen.

Das ist die Intention für den Podcast, das ist das, wofür ich brenne, das ist das, wofür ich jeden Tag aufstehe: Es geht um die Menschen im Gesundheitswesen. Und dass die den Raum bekommen, dass sie, ich wiederhole mich jetzt, ihren Job gut machen. Genau. So bin ich gestartet, so hat es sich entwickelt. Gestartet bin ich nicht so, es war echt eine Reise, es war eine lange Reise. Eigentlich habe ich jetzt zwei Jahre gebraucht, um diesen Podcast zu entwickeln und wirklich ganz klar zu sehen: Was möchte ich machen? Was möchte ich der Welt mitgeben? Das hat ganz, ganz viele Ebenen auch für mich persönlich dann irgendwie so, ja, tangiert, weil ich eigentlich mit der Entwicklung des Podcasts auch so mein Angebot, also meine Arbeit noch mal hinterfragt habe, noch mal überlegt habe: Was will ich denn wirklich? Und für mich das ganz klar herausgearbeitet habe, also mich noch mal ganz neu positioniert habe, wobei ganz neu eigentlich so gar nicht stimmt, weil ich schon immer wusste, ich bin keine Agentur und Praxismarketing ist eigentlich nicht das, was ich machen will, sondern ich möchte eben in diese Richtung Organisationsentwicklung gehen und Prozesse optimieren und einfach die ganzen Organisationseinheiten so aufstellen, dass die Leute gut arbeiten können. Und deswegen hat es auch so lange gedauert.

Und jetzt ist er online und jetzt ist er da und jetzt freue ich mich umso mehr, weil für mich das einfach meine Mission wieder ganz klar ist. Und ich hoffe, ich kann euch mit diesem Podcast erreichen und ich hoffe, der Podcast erreicht auch sehr viele Menschen im Gesundheitswesen. Also tragt ihn gerne weiter, teilt ihn. Der Podcast soll aber auch so eine Plattform sein, wo ihr euch selber einbringen könnt, wenn euch was auffällt, wenn ihr was ergänzen möchtet, wenn ihr was korrigieren möchtet, wenn ihr... egal was euch einfällt zum Podcast, wenn ihr eine Folge hört, schreibt's mir einfach. Lasst mich dran teilhaben, alle Infos werden immer unten stehen dazu, alle Kontaktinformationen werden immer unten in der Infobox stehen, weil mir das ganz arg wichtig ist. Oder wenn ihr jemand sagt: Mensch, ich kenne da jemand, die steht auch jeden Tag auf mit einer unbändigen Energie und rockt hier keine Ahnung welche Position im Gesundheitswesen. Stellt gerne den Kontakt her, und dann bin ich froh, wenn ich so jemand einladen kann, so jemand Inspirierendes.

Und ansonsten möchte ich mich jetzt an der Stelle einfach bei den Menschen bedanken, die schon immer an mich geglaubt haben, das ist nämlich auch ein ganz wichtiger Faktor im Leben, dass man eben gute Menschen um sich hat, die an einen glauben, die einen befähigen und bestärken darin, einfach seinen Weg zu gehen. Mag er auch so individuell sein, wie er ist. Danke an alle, ich hoffe, jeder fühlt sich jetzt angesprochen, ich mag jetzt keine Namen nennen. Genau. Ja. Das war die erste Folge. Ich hoffe, es hat euch gefallen, ich hoffe, es hat euch neugierig gemacht auf alles, was kommt. In zwei Wochen gibt's die neue Folge, und ich hoffe, ihr schaltet auch dann wieder ein und wir hören uns wieder. Und bis dahin wünsche ich euch jetzt einfach alles Gute und sag danke fürs Reinhalten. Bis dann. Ciao.

(Outro-Musik blendet aus)

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