[Interview] Zwei Welten im OP: Von Kempten nach Guinea

Shownotes

Wir alle kennen ihn: den berüchtigten "Jammer-Modus" im deutschen Gesundheitswesen. Doch was passiert, wenn man den High-Tech-Arbeitsplatz in einer deutschen Klinik einmal im Jahr gegen einen OP-Saal in Westafrika tauscht?

In dieser Folge öffne ich die Türen zur "Blackbox OP" und spreche mit Andreas Schulze. Er und ich kennen uns schon seit 20 Jahren aus dem OP. Heute managt Andreas als OP-Leiter in Kempten täglich acht Operationssäle, koordiniert unterschiedlichste Berufsgruppen und sorgt dafür, dass der ganz normale Wahnsinn reibungslos abläuft. Gleichzeitig engagiert er sich ehrenamtlich für den Verein Mango e.V. und operiert unter einfachsten Bedingungen in Guinea.

Wir sprechen über diesen unfassbaren Kontrast, über funktionierende Kommunikation in Hochstress-Situationen und darüber, warum uns ein Blick über den Tellerrand sofort erdet.

In dieser Folge erfährst du:

Warum der OP für Außenstehende oft eine absolute Blackbox ist und wie Andreas das Chaos von acht Sälen koordiniert.

"Wer schreit, denkt nicht": Warum laute Worte im OP der falsche Weg sind und wie ruhige Kommunikation zum Ziel führt.

Den extremen Kontrast zwischen High-Tech-Medizin in Kempten und den rudimentären Bedingungen in Guinea.

Warum Andreas' Einsätze in Afrika der ultimative Realitätscheck für unsere "Luxusprobleme" in Deutschland sind.

Wie wichtig ein echter Ausgleich (z. B. durch Ausdauersport) ist, um im Klinikalltag gesund und gelassen zu bleiben.

Links & Ressourcen zur Folge:

Alle Infos zum ehrenamtlichen Einsatz von Andreas und Unterstützungsmöglichkeiten: www.mango-ev.de

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Transkript anzeigen

Annette: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge im Club der Gestalter. Wie ihr im Teaser schon gehört habt, manchmal braucht es einen extremen Perspektivwechsel, um unseren Alltag und unsere eigene Zufriedenheit neu zu bewerten. Genau darüber spreche ich heute mit Andreas Schulze. Andreas und ich kennen uns seit... ja, 20 Jahren aus dem OP! Heute managt er als OP-Leiter in Kempten täglich acht Säle und den ganz normalen Wahnsinn unseres Gesundheitssystems. Der krasse Kontrast dazu: Einmal im Jahr tauscht er diesen High-Tech-Arbeitsplatz gegen einen Einsatz mit dem Verein Mango e.V. in Guinea, um dort unter einfachsten Bedingungen zu operieren. Wir sprechen heute über genau diesen Spagat. Wir werfen einen ehrlichen Blick in die Blackbox OP, reden darüber, wie klare Kommunikation im Klinikalltag gelingt, und wie Andreas durch Afrika und durchs Laufen seine echte Erdung findet. Das alles gibt's gleich, aber jetzt starten wir erstmal so richtig los. Das haben wir schon immer so gemacht. Ein Satz, den wirklich jeder im Gesundheitswesen schon mal gehört hat. Und der nur eins bedeutet: Stillstand. Aber wir wollen nicht mehr einfach nur funktionieren und Opfer des Systems sein. Deshalb schmeißen wir hier, im Club der Gestalter, alte Muster einfach aus dem Fenster. Hier geht es ums Anpacken, ums Verändern. Für dich, dein Team und deine Patienten. Damit der Job wieder Spaß macht und nicht nur Nerven kostet. Ich bin Annette Sabo und nun wünsche ich dir ganz viel Spaß bei dieser Folge.

Annette: Hallo Andreas! Schön, dass du dir heute Zeit genommen hast für mich. Das freut mich unglaublich. Wir sprechen heute über deinen aufregenden Job als OP-Pfleger. Und... über deinen Ausgleich, den du für dich gefunden hast. Aber vielleicht magst du dich einfach mal ganz kurz selber vorstellen?

Andreas: Ja, hallo. Also, ich bin Andreas, bin seit... fast mein ganzes Berufsleben bisher in diversen OP-Abteilungen tätig. Arbeite jetzt in dieser Klinik seit 20 Jahren, seit 2006. Auch in der Funktion als stellvertretende OP-Leitung, dann aber als OP-Leitung. Hab diverse Stationen im Werdegang der Klinik eigentlich immer mitbegleitet. Es war so, dass es über die Jahre viele Klinikfusionen bei uns in der Gegend gegeben hat und diesbezüglich haben sich auch die Strukturen im operativen Bereich immer wieder geändert und die bin ich halt immer mitgelaufen, mitgegangen und hab da meinen Weg gefunden als OP-Leitung jetzt zurzeit in der Klinik in Kempten.

Annette: Genau. Man muss ja dazu sagen, wir kennen uns auch schon seit 20 Jahren. Das ist ja... genau, damals gemeinsam im OP gearbeitet in einem kleineren Haus. Ich habe ja dann den OP verlassen, du hast die Karriere weiter verfolgt, aber... immer irgendwie in Kontakt geblieben, auch wegen deiner Tätigkeit in Afrika, aber jetzt lass uns erstmal über deine... äh Tätigkeit hier sprechen im OP. Das ist ja... schon ein recht großes Haus hier in der Region. Wie viele OP-Säle habt ihr?

Andreas: Also wir betreiben zurzeit acht Operationssäle in verschiedensten Fachrichtungen. Wir könnten natürlich rein räumlich noch mehr OP-Säle betreiben und das Bestreben der Klinik ist auch, noch mehr OP-Säle zu betreiben, aber diverse limitierende Faktoren, äh wie das zur Verfügung stehende Personal, wie auch die Intensivkapazität, ähm... hindern uns eigentlich noch dran, weiter zu wachsen, aber das Ziel ist natürlich, an diesen Problemen zu arbeiten und natürlich unsere Kapazität weiter zu erhöhen, um eben auch die Versorgung in der Klinik oder in der Region noch weiter zu verbessern.

Annette: Mhm. Jetzt muss man auch sagen, also OP-Arbeit an und für sich ist ja schon ziemlich speziell für jemanden, der es noch nicht erlebt hat. Ähm... man arbeitet auf engem Raum, ne? Also es gibt wenig Ausweichmöglichkeiten. Das hab ich immer so ein bisschen als... ja, nicht schwierig empfunden, aber es ist ja schon manchmal auch eine Herausforderung. Ähm... es knallen ganz viele Interessen aufeinander, oder? Ist schon so eine Schnittstelle, wo man sagt... ne? Also die Operateure vielleicht auf der einen Seite, auf der anderen Seite eben Kapazitäten im Haus und Vorgaben und weiß was hast du nicht gesehen. Das ist ja schon ein ganz schöner Druckkessel manchmal, oder?

Andreas: Auf jeden Fall, also so eine Operation ist tatsächlich dann so ein richtiger Kommunikationspunkt, äh weil dann viele Sachen auf einmal zur Verfügung stehen müssen, zu viel... äh vorhanden sein müssen und hochkonzentriert eben angewendet werden müssen. Das ist zum einmal halt klar die Personalschiene, dass eben viele Berufsgruppen, Chirurgen, Anästhesisten, Anästhesiepflege etc. ähm... an einem Punkt zusammentreffen und ihre Tätigkeit machen, die doch aber relativ unterschiedlich ist. Sowohl aber auch ähm die, das Material muss da sein, die Geräte müssen da sein und auch im Allgemeinen, der Patient muss richtig vorbereitet sein und und und. Also ist wirklich ein relativ hoher logistischer Aufwand, um dann tatsächlich die Operation äh stattfinden zu lassen. Ja, und das ist im Endeffekt eine meiner Hauptaufgaben, äh auch diese Koordination dieser verschiedenen Stränge zu einem bestimmten Punkt zu führen, damit eben diese Operation stattfindet.

Annette: Mhm. Ich hab mal irgendeinem Außenstehenden, der hat mich mit ganz großen Augen angeschaut, als ich gesagt habe, um eine Person zu operieren, brauchen wir ja sechs Personen vor Ort.

Andreas: Ja, ja.

Annette: Plus die ganze Logistik im Hintergrund, ne?

Andreas: Gerade diese Koordinationsaufgabe ist, ist doch, wird etwas unterschätzt und kann man auch gar nicht so richtig erklären für jemanden, der das noch nicht gesehen hat. Also das ist ein ganz komisches Beispiel z.B. ich kann an sich bisher meiner Mutter nicht erklären, was ich eigentlich mache, seit meinem seitdem ich arbeite. Das versteht die irgendwie nicht. Ja, oder, oder kann man vielleicht auch Außenstehende oder als Nichtmediziner überhaupt nicht verstehen, was man da treibt. Zumal wir ja auch in unseren unserem Glaskasten, in unserem Käfig auch relativ von der Öffentlichkeit oder von der Wahrnehmung der Öffentlichkeit auch abgeschnitten sind. Ja, die Tür, die OP-Tür ist zu, betreten wird diesen OP der Patient, der dann meistens nur schläft, und alle anderen, die eben komplett in den Prozess involviert sind, aber jemand, der sich dafür interessiert oder, oder vielleicht auch Erfahrung gewinnen will, wird da so ohne weiteres nicht reinkommen. Ja, und somit ist die Information, die Informationsweitergabe und Informationsfindung eigentlich auch im Internet, YouTube, was weiß ich, wo man sich das alles erholt, fast unmöglich.

Annette: Und die musst du dann auch betreuen, die Schülerin, die dann oder Schüler und Schülerinnen, die dann vielleicht manchmal etwas überfordert sind mit Situationen oder...

Andreas: Na bzw. ist es so, dass ich das organisiere. Also es gibt da schon Mitarbeiter, die da ausschließlich dafür ausgebildet wurden, also diese Praxisanleiter, die sich dann um die Kollegen und Kolleginnen kümmern, weil jetzt der OP gerade in Kempten ist jetzt so groß, dass mich an sich nicht sehr ins Detail verlieben kann, sagen wir es mal so. Also ich organisiere das so, dass jemand da ist, der sich um diese neuen Kollegen kümmert.

Annette: Ja, muss delegiert werden. Du kannst ja nicht alles auf deinen Schultern lassen, genau. Du hast ja eh schon genug zu tun, also wenn ich denke, du machst den Personaleinsatzplan, planst du? Materialwirtschaft...

Andreas: Also wie gesagt, das muss ich unter der letzten Aussage alles subsumieren, ich organisiere jemanden, der das macht.

Annette: Aber ist ja auch, da muss man irgendwie am Ende des Tages ja mal die Hand drüber halten oder...

Andreas: Ja, also das ist so, dass eben in der bestimmten Größe, in der wir jetzt sind, ist es so, dass an sich was ich eben selbst mache, sind sozusagen eben so strategische Entscheidungen, Investitionen und so Geschichten, was eben längere Auswirkungen hat, Personalentscheidungen, Einstellungen etc., was eben alles mit der Personalpolitik zu tun hat, aber das Tagesgeschäft sozusagen ist delegiert.

Annette: Ist delegiert. Und hast du da gute Systeme für dich implementieren können oder...

Andreas: Tatsächlich schon. Also das ähm, also jetzt z.B. administrative Aufgaben, die immer wiederkehrend sind, die hab ich eben dahingehend delegiert, dass ich eben eine Assistentin habe, die das eben äh übernimmt. Also wir machen da jeden Tag früh so ein kurzes Briefing, wie der wie der Tag äh abläuft, was was ich da für äh Vorstellungen für den Tag hab. Andererseits hilft sie mir auch bei meinem Terminmanagement sozusagen, dass sie dass sie mich da auf den neuesten Stand bringt, was ich an dem Tag äh erledigen muss. Zum einen und zum anderen sind die einzelnen Fachbereiche, die wir jetzt betreuen, auch noch mal ähm organisiert mit sogenannten Fachbereichsleitern, die dann eben auch in dem Fachgebiet spezialisiert sind, Ansprechpartner für die Operateure sind, ähm, weil sie sich eben dann auch in dem Fachgebiet, also fachlich super auskennen.

Annette: Okay, das sind dann quasi Pflegekräfte, die speziell für diesen oder OTAs oder wie auch immer, die speziell für diesen Bereich dann in Anführungszeichen zuständig sind...

Andreas: Genau. Die haben sich dann eben auch fachlich spezialisiert und können auch viel suffizienter Auskunft geben als ich. Ja, also das das Dilemma von OP-Leitungen ab einer bestimmten Größe, und da würde ich uns jetzt auch mit dazuzählen, ist, dass man eben eine solide Halbahnung von allem hat und von keinem fachlich mal so richtig Ahnung hat. Ja, das stimmt. Das ist, das muss man Rechnung tragen, das muss man wissen, also den Ehrgeiz braucht man gar nicht haben, das zu können. Man wird da glaube ich immer weiter an der Oberfläche kratzen, äh anstatt da richtig sich einzuarbeiten. Ich meine, ursprünglich war mein Steckenpferd oder ist mein Steckenpferd eben so die Herz-Thorax-Gefäßchirurgie und sicherlich war auch gerade die Gefäßchirurgie in Kempten ähm auch einer meiner äh Spezialitäten, aber die ist jetzt seit vorigem Jahr, Mitte letzten Jahres ist sie praktisch ähm nach Immenstadt ähm abgewandert, hat sich da zentralisiert und das ist dann auch verloren gegangen. Jetzt habe ich noch ein bisschen Thoraxchirurgie, was ich noch mit betreue, aber auch da habe ich jetzt auch eine Kollegin gewinnen können, die sich da in das Fachgebiet richtig einarbeitet und dann eben die Fachbereichsleitung übernimmt.

Annette: Stehst du noch oft am Tisch?

Andreas: Also das ist so, dass ich in der Dienstplanung so ein bisschen der Joker bin. Ah okay. Äh wenn also durch Krankheit oder andere Ausfälle äh doch ein Mangel entsteht in einem der OP-Säle, dann äh stehe ich auch noch im OP-Saal. Genau. Aber das ist, ich würd's mir fast wünschen mehr, äh aber nicht aus der Not heraus, sondern weil ich das ja ursprünglich auch mal gelernt habe und das eigentlich auch gern mache, mach das immer noch gern. Gottes Willen. Ja, aber find an sich dann kaum die Zeit dafür. Ich könnte mich natürlich da beliebig in die OP-Säle einteilen und sagen: Okay, ich mach das, äh weil es mich interessiert, aber dann bleibt eben der administrative Teil zum größten Teil liegen oder ich muss es dann eben nach Feierabend machen oder irgendwie und dann oder oder dahinschludern irgendwie und das der Anspruch den, den hat man ja dann doch auch nicht an die Tätigkeit, weil das eben nicht ursprünglich meine Stelle ist, äh im OP-Saal äh da die bei den OPs dabei zu sein.

Annette: Mhm. Auf einer Skala von eins bis zehn, wie wie würdest du es einschätzen, wie wichtig ist für dich Kommunikation... Kommunikationsstrategien vielleicht sogar?

Andreas: Ach, eigentlich eigentlich elf sozusagen, weil davon lebt die ganze Sache. Ja, ich meine dadurch, dass ich das eben ähm schon doch sehr lange mache, dass ich eben irgendwie der Vorgesetzte von verschiedensten Teams bin, äh hat man natürlich auch seine Erfahrungen, auch negative Erfahrungen, äh ähm aber eben auch positive Erfahrungen und dann bildet sich eben erstmal durch Fort- Fortbildung aber eben auch durch eigene Erfahrung ähm eine Strategie heraus, mit der man eben dann doch irgendwie durchs Leben kommt. Ja, und da hat sich's eben herausgestellt, dass es eben das ist so ist, dass man einfach vernünftig mit den Leuten reden muss, über alles reden muss, vielleicht auch zu viel reden muss, dass da vielleicht den einen oder anderen Date's schon informiert ist, dann ein bisschen auf die Nerven geht, aber lieber eine Sache doppelt oder dreifach sagen, als wenn man die Leute eben nicht mitnimmt. Ja, also wenn die Leute was verstehen, was man bezweckt. Egal ob das wird auf dem Bau höchstwahrscheinlich oder beim Aldi genau dasselbe sein, aber wenn man die Leute mitnimmt und die wissen, warum sie irgendwas machen, äh und was der Hintergrund ist, dann glaube ich, ist das eine ganz andere Motivation, ähm und auch eine ganz andere Selbstständigkeit der Mitarbeiter, als wenn sie eigentlich praktisch so ein so ein Button-Down-Prinzip haben: Ich sag dir jetzt, da ist links, da ist rechts und da ist geradeaus und ich sag dir, du gehst jetzt links. Warum, kann dir egal sein. Ja. Dann, das wird sicherlich über kurz oder lang funktionieren, aber wenn dann wenn dann tatsächlich Situationen sind, wo eben doch ein bisschen Kreativität oder oder Improvisationsvermögen äh verlangt ist, äh was in der Medizin immer vorkommen kann. Dann äh ist man an sich mit dem Verfahren dann schnell mal am Ende seiner Kunst, dass man dann sagt: Okay, hier denk dir mal selbst was aus. Und man kann nicht überall gleich sein. Ja, deshalb ist man an sich auf die auf die Kreativität und und auch der Improvisationsleistungen der Mitarbeiter auch angewiesen. Ja. Also das geht eben über die Erfahrung, eben über die Kommunikation.

Annette: Das ist halt, ich glaub, das Besondere am OP ist eben auch, dass es im OP wenig "Vielleicht" gibt, ne? Oder schauen wir mal. Ich meine, das ist ja natürlich schon ein Bereich, wo, wo man ja natürlich sehr irgendwann auch mal zu einer Entscheidung kommen muss und dann auch entsprechend agieren muss. Und ich glaube, das ist dann vielleicht noch mal schon so ein bisschen speziell. Gerade im OP.

Andreas: Also es muss auf jeden Fall ein ein Grund-Commitment geben unter allen, äh nach bestimmten, nach was für Schemata oder nach was für vereinbarten Sachen wir eben arbeiten. Ja, also ich sag den den Leuten immer, wenn man für die ganz normalen Standardsachen, eben das normale Tagesgeschäft, wenn wir da jedes Mal uns da drei Viertel unserer Hirnmasse da verwenden müssen, haben wir an sich für die Sachen, die außergewöhnlich passieren oder neu sind oder oder anders sind, an sich gar keinen Platz mehr im Hirn. Ja, deshalb ist es wichtig, dass man eben ein Commitment hat generell, wie sind unsere Standards, was wie sind unsere Abläufe, dass das eben klar kommuniziert ist, dass die Leute das wissen, auch neue Mitarbeiter gerade damit eingebunden werden, ähm und damit man eben auf andere Situationen eben überhaupt reagieren kann. Ja, wenn ich da jeden Tag früh das Rad neu erfinde, ja, dann wird's wird's dann eher mal schwierig. Muss man echt sagen. Und es gibt natürlich im Endeffekt neue Mitarbeitern, weniger erfahrenen Mitarbeitern, Auszubildenden im Endeffekt auch eine Leitschnur und Sicherheit. Sicherheit. Kann man ganz klar sagen. Weil man kommt hier neu her, findet's extremst merkwürdig, ja, und findet auch höchstwahrscheinlich die OP-Leute merkwürdig. Sind sie ja auch. Äh, wenn man jetzt aus dem aus dem Pflegebereich vielleicht kommt oder gerade aus 'ner aus der Realschule oder was weiß ich, wo man herkommt, dann findet man das das höchstbefremdlich höchstwahrscheinlich. Ja, wahrscheinlich schon. Ja, und deshalb ähm ist es wichtig, dass man denen wirklich Strukturen gibt. Ganz klar. Da braucht's eben eine gute Kommunikation dafür.

Annette: Ja, jetzt hast du ja, also alles in allem hast du jetzt nicht gerade einen Job, wo man äh leicht sein Geld verdient, würde ich mal sagen, sondern es ist schon sehr anspruchsvoll, könnte ich mir vorstellen. Ähm...

Andreas: Naja, sagen wir's mal so. Äh, ich glaube tatsächlich, ähm, dass na ja, das klingt jetzt ein bisschen komisch, aber ich glaube tatsächlich, ähm, dass man auch ein gewisses Faible für sowas haben muss. Ja, und ich will jetzt nicht sagen Talent, Gottes Willen, also das ist glaube ich zu hoch das Wort, äh aber aber auf jeden Fall muss man da einen Draht für die ganze Sache haben und ich sag's immer, die Fähigkeit haben, allgemein komplexe Strukturen überblicken zu können. Und es darf einem nicht großartig schwer fallen, fallen, so komplexe Systeme zu verstehen. Ja, weil die Systeme ändern sich schnell, sind eben komplex, und wenn man das nicht versteht, was da los ist, wie da Umstellungen oder Änderungen sich vonstatten gehen, dann fällt's einem eben auch schwer, und dann tatsächlich dann kann's sein, dass es eben dann auch wenig Spaß macht, sozusagen. Wenn man aber das durch Routine, durch Erfahrung und vielleicht tatsächlich doch ein bisschen ähm Eignung für sowas, ja, äh ähm gut kann, dann macht's eben auch Spaß, weil weil dann ist es ja auch so, da kommt ja irgendwie ein Ergebnis raus und das Ergebnis kommt ja raus, weil man selbst auch tätig war, in dem großen Verbund, mit ganz vielen anderen, mit auch viel wichtigeren Leuten, die Operateure natürlich, die spielen ja die Hauptrolle in der ganzen Sache. Ja, aber eben dieser Kulmi- Kulminationspunkt, den ich da vorhin erwähnt hab, dass da eben alles zum selben Zeitpunkt zur Verfügung steht, das ist ja dann doch auch Hauptaufgabe jetzt auch der OP-Leitung, und das ist dann eben auch, das trägt natürlich erheblich zum Ergebnis der ganzen Sache bei, und dann kann man ja sagen, okay, war ja dann doch nicht ganz zwecklos, was man den ganzen Tag gemacht hat. Und es hat eben dann auch funktioniert, das Konzept, was man sich selber zurechtgelegt hat. Wenn also praktisch die Leute nächsten Tag immer noch kommen und es nicht ganz furchtbar finden und dann eben die Patienten doch noch äh diese Klinik aufsuchen, ja, weil sie es dann doch medizinisch ganz passabel fanden, also deshalb äh fällt's einem dann, wenn man auch dieses Erfolgserlebnis im Endeffekt hat, äh und es jetzt nicht jeden Tag gerade so aufregend ist, dass man da Gott, des Willen, jetzt brauche ich erstmal was weiß ich, zwei Wochen wieder irgendwie Erholung, dann äh ist es nicht so schlimm. Ja. Also es gibt's aber sicherlich Leute, denen das schwerer fällt. Ja. Und da gehört eben auch ach, weiß nicht, ob das, ob das so richtig gut klingt, aber so ein bisschen auch die Gelassenheit und Lebenserfahrung gehört eben auch dazu. Dass man eben mit zunehmendem Alter eben alles nicht ganz so aufregend findet, was man eben vielleicht mit 25 super aufregend fand. Findet man eben irgendwann nicht mehr so aufregend. Und es fällt einem natürlich auch der Umgang mit in schwierigen Situationen mit anderen Menschen fällt einem ja mit zunehmendem Alter auch leichter. Ja.

Annette: Ja, du warst ja immer... also wie gesagt, wir kennen uns jetzt schon 20 Jahre, du warst ja früher schon eher so ein gelassener Typ. Also dich hat ja relativ, also ja, wenig aus der Ruhe bringen können so richtig. So ein hysterischer Typ warst du ja noch nie.

Andreas: Also wie gesagt, ich kann kann's nur sagen, ich kann mich an an in meinem ganzen Berufsleben, und das geht ja nun länger als 20 Jahre, schon an an zwei Situationen erinnern, wo ich etwas lauter wurde. Mhm. Ja, und das ist, glaube ich, jetzt mache ich das seit Anfang so irgendwie so 98 oder so was, irgendwie sowas, in der Richtung mach ich das. Und äh das da ist da glaube ich zwei Mal laut werden geht noch. Das ist eine gute Quote. Ja, absolut. Ja, und das geht immer noch. Also das... Ich sage immer zu allen: Wer schreit, denkt nicht. So ist es. Ja, der macht irgendwas anderes, aber der hat irgendwie da gerade sein Hirn auch woanders, weil er eben vielleicht auch nicht grundlos da erregt ist, a- aber er hat's eben dann so weit kommen lassen, dass er eben selbst gar nicht Herr der Lage ist in dem Augenblick. Ja, und das ist natürlich in bestimmten Positionen oder in in in bestimmten Situationen auch eher mal ungünstig. Ja, dass man da eben die die die Contenance verliert und da eben den Überblick eben auch verliert. Und aber kein Mensch ist frei von Emotionen. Nein. Ja, und und und kann das auch nicht immer unterdrücken, verstecken oder was auch immer. Aber im Endeffekt ist es so, es ist dann doch irgendwo alles beherrschbar und man hat ja auch die Erfahrung gemacht, selbst wenn man sich in Konflikten befindet mit anderen Berufsgruppen, mit anderen Interessensgruppen, dass an sich die die die die ruhige sachliche Kommunikation im Endeffekt doch zum besten äh Ergebnis führt, weil derjenige ja dann auch zur Sachlichkeit neigt, wenn man selbst ihm mit Sachlichkeit begegnet. Muss man ganz klar sagen. Also ich sag den meisten, ich meine, das kommt dann schon immer mal her, äh an Operateur, dass ihm das oder jenes nicht gepasst hat, oder der eine oder andere Mitarbeiter, dass er den Dienstplan z.B. gern anders äh gehabt hätte, ja. Und wenn man ihm dann aber kommt, dann dann und versucht, Alternativen zu finden und sagt: Na ja gut, in der Situation gab's eben vielleicht auch gar keine Alternative, na ja, dann ist die Einsichtsfähigkeit des Mitarbeiters dann in der Regel dann doch schon gegeben. Ja. Oder wenn er eben sagen würde: Sag mir, du bist ja äh jetzt da Betroffener. Was würdest du in meiner Situation entscheiden? Ja. Äh und wer dann sagt: Ja, das ist da aber dann dein Problem und nicht meines. Sag ich: Na ja, es ist eben jetzt unser gemeinsames Problem. Ja. Und wenn du sagst, okay, äh du bist jetzt ungerecht behandelt in irgendeiner Art und Weise, das kann schon durchaus sein. Aber dann vielleicht das nächste Mal jemand ungerecht behandelt. Also es ist jetzt nicht so, dass es so friedlich zugeht im im Berufsleben, das hat mit OP überhaupt nichts zu tun, also es wird jeder in seinem Leben mal das Gefühl haben: Na, das hätte man jetzt besser machen können oder jetzt wäre ich ungerecht behandelt. Ja. Aber so, man muss das eben irgendwie einen Ausgleich finden. Ja.

Annette: Genau, das ist das nächste Stichwort. Ausgleich. Du hast ja für dich einen gefunden, du bist ja nicht nur in Deutschland tätig...

Andreas: Ach ja.

Annette: ...sondern einmal im Jahr nimmst du dich raus aus dem System und wo gehst du da hin, deine Zeit, woanders?

Andreas: Ja, es ist halt so, ähm, dass ähm auch seit inzwischen 30 Jahren ich da auch Gründungsmitglied von einem äh doch eigentlich kleinen Verein aus aus der Rhein-Main-Region bin. Mango e.V. heißt der. Ein bisschen merkwürdiger Name. Ähm, der ähm sich zum Ziel gesetzt hat, in einer ländlichen Region in Guinea, in Westafrika, äh den Menschen, denen es logistisch auch und auch auch ökonomisch nicht in der Lage ist, äh Krankenhäuser äh die da in Guinea sehr spärlich gesät sind, aufzusuchen, dass wir denen so basisnahe äh Medizin bringen können. Chirurgisch hauptsächlich, weil wir haben eben auch die Erfahrung gemacht, wir hatten auch schon Internisten mit dabei, die aber an sich ohne Labor, ohne großartiges EKG, ohne eben so technische Unterstützung, können an sich in der kurzen Zeit, in der wir da sind, also wir sind etwa ca. 3 Wochen pro Team da, kann da relativ wenig äh ausrichten der Internist. Deshalb ist da die Chirurgie prädestiniert. Ja, die Befunde sind oft offensichtlich sozusagen, die da zu operieren sind. Und wenn die dann erfolgreich operiert sind und danach in einer Überwachungsphase ähm äh wenn die Überwachungsphase dann durch ist, können die Patienten eben in der Regel ähm so gut wie geheilt entlassen werden können. Mhm.

Annette: Habt ihr ganz konkret, ihr habt ein, ich will mal sagen, kleines Operationszentrum, wobei man sich das jetzt nicht das nach deutschen Maßstäben, glaube ich, äh bewerten darf. Kann man das sagen, Operationszentrum?

Andreas: Tatsächlich. Also es war so, wir haben ursprünglich, der Verein hat seine Tätigkeit angefangen in einem ähm Sanitätsposten äh des Staates äh in einem Nachbarort. Äh bei dem wir aber wirklich alles auch selbst da, da waren wirklich nur die Zimmer da, wir mussten alles praktisch selbst organisieren. Wasser, Strom, äh äh Sterilisationsmöglichkeiten für die fürs Instrumentarium und dieses ganze Equipment, also. Und es war eben so, dass äh dieser dieser Sanitätsposten so 15 Kilometer von unserem Wohnort entfernt war. Äh weil da ergaben sich eben keine anderen Möglichkeiten und dann haben wir das aber so gemacht, dass wir wollten, auch zur Überwachung, der nächtlichen Überwachung der Patienten, dass wir eben das wollten, dass in der Nähe unserer Unterkunft tatsächlich auch ähm ein OP-Zentrum äh entsteht oder eine Möglichkeit des Operierens entsteht, welches aber auch nach unseren Wünschen gestaltet ist. Damit eben wirklich die Patientenzimmer adäquat sind, dass eben äh zum Sterilisieren die Zimmer da sind und dass eben die sanitären Möglichkeiten für die Patienten da sind und eben auch die Operationsräume die entsprechende Größe haben, wie wir uns das wünschen. Woraufhin wir dann eben ähm nach dem zweiten, glaube ich zweiten oder dritten Einsatz in dem Nachbarort haben wir uns dann entschlossen, ein eigenes OP-Zentrum zu bauen, mit eben zwei Operationssälen, einer Sterilisationseinheit, ähm inzwischen auch einem eigenen Patientenhaus, äh wo eben Patientenzimmer sind, die eben ähm unter unserer Verfügung stehen. Das Problem war eben damals auch, dass dieser Sanitätsposten vom Staat auch von von einem Krankenpfleger aus Guinea geleitet wurde, der natürlich auch ähm Verfügungsgewalt über dieses Zentrum hatte. Und wir konnten eben nicht sagen: Nee, wir brauchen so und so viel Betten, wir brauchen diese und die Zimmer. Ja, ihr müsst das für mich für uns ähm bereitstellen. Das das hatten wir eben nicht, weil uns das nicht gehörte einfach. Und dann haben wir eben gesagt: Nee, wir bauen wirklich nach unseren organisatorischen wie auch räumlichen äh Wünschen bauen wir uns das selbst und das läuft jetzt auch seit über 20 Jahren, läuft das jetzt. Inzwischen müssen wir schon wieder die ersten Sanierungsarbeiten äh durchführen, weil eben das auch in die Jahre gekommen ist. Also da ist ein Teil unserer unserer finanziellen Möglichkeiten wird eben hauptsächlich auch in die in die in die Sanierung und Renovierung und Neuanschaffung von Geräten etc. investiert. Und genau, und jetzt ist es so, dass wir dann eben da die einheimische Bevölkerung unabhängig vom Staat operieren können und können das wirklich nach unseren Maßstäben da durchführen.

Annette: Und das kann man sich so vorstellen, dass ihr quasi euch gefunden habt als Team aus ganz Deutschland? Also Chirurgen, Anästhesisten, alles was man so braucht an Berufsgruppen, hat sich zusammengefunden?

Andreas: Also ursprünglich ähm war der Gründer dieses Vereins äh ein ein äh Arzt aus Guinea, bzw. damals noch Student, der also in Deutschland hat er studiert, hat dann in Deutschland eine typische Mediziner-Arztkarriere ähm äh vollzogen, er hat dann eben, er hat sich spezialisiert, ist Allgemeinchirurg geworden, hat eine eigene allgemeinchirurgische Praxis in Frankfurt am Main äh betrieben, ist inzwischen jetzt auch schon in Pension. Aber hat eben damals äh dann als es wieder möglich war, aus politischen Gründen Guinea wieder zu bereisen, hat dann eben festgestellt bei seinem ersten Besuch wieder in seinem Heimatdorf, dass de facto für die Menschen, für den Großteil der Menschen in dieser Gegend gerade, keine Medizin stattfindet. Ja, nur Leute, die sich das leisten können, ähm in die in die großen Städte zu fahren, war es möglich, aber selbst da war Medizin eben nur auf Rechnung möglich. Ja, die Leute haben eben eine Rechnung bekommen von dem jeweiligen behandelnden äh Arzt. Äh, da war wirklich vom Sprit für den Generator bis eben das Personal und eben jeder Faden, jedes Pflaster war auf der Rechnung drauf und das musste man eben abgeben, das Geld. Ja, das war praktisch als ob man sich ein Möbelstück kauft. Wenn man's hatte. Ja. Und das limitierte eben das äh limitierte eben die Versorgung äh der ländlichen Bevölkerung extrem. Ja, das waren eben Landwirte, Bauern, äh die in der Gegend wohnen, die eben äh ihr ihr tägliches Dasein eben auf dem auf dem Feld äh verbrachten, haben dann ihre ihre Artikel auf dem Markt verkauft, haben sich damit Lebensmittel selbst eingedeckt. Und das das hat eben zum Leben äh gereicht. Da hat also wenn dann nichts Dramatisches passiert ist, konnten die für sich und ihre Familie sorgen. Ja, aber wenn dann jemand krank wurde. Und man müsste eben jetzt äh äh den Verwandten, den Bekannten oder sich selbst in irgendeiner Art und Weise in eine der großen Städte bringen, das hat dann wirklich so ein Familienleben doch sehr durcheinandergebracht und hat dann mitunter doch äh auch Leben gekostet. Ja, weil es eben schlicht für die meisten nicht stattfand. Und deshalb hat der der der Arzt, der Dr. Aliou Barry, äh dann diesen Verein gegründet, hat dann eben als erstmal Bekannte, Verwandte um sich geschart, ähm und hat dann eben diesen Verein gegründet. Da war eben ein Anästhesist, eine OP-Schwester ähm dabei und die mit einem ganz kleinen Team, vier, vier Leute, fünf Leute sind da äh losgezogen und haben das dann eben aufgebaut. Und das wurde dann eben größer und da Bedarf war dann zu erkennen und dann war es auch erkennbar, dass man eben durch Spendenaufrufe auch in der Lage war, größere Einsätze zu finanzieren. Und jetzt eben äh doch etliche Jahre später ist es so, dass wir eben dieses eigene OP-Zentrum haben. Wir versuchen ein bis zwei Teams pro Jahr hinzuschicken von 10 bis 12 Leuten. Wahnsinn. Ähm, und ähm können da eben auch inzwischen große Operationen machen. Eines der großen limitierenden Faktoren ist in der an sich in fast ganz Westafrika, dass man äh aufgrund der apparativen Ausstattung, wie auch Ausstattung mit Medikamenten und und Einmalprodukten, dass man äh kaum sichere Narkose machen kann, Vollnarkose machen kann. Okay. Also dass man nicht sicher beatmen kann, dass man also wirklich was bei uns bei jedem mittelgroßen Eingriff eigentlich Standard ist, äh dass man vernünftig Narkose machen kann, sicher geführt, Monitoring ordentlich und auch auf Komplikationen eingehen kann. Das ist eben da nicht möglich. Das sind, das sind gute Mediziner, mitunter eben in Europa ausgebildet oder im Senegal ausgebildet. Man kann auch Medizin studieren in in der Hauptstadt, in in Guinea, das sind alles gute Leute, fleißig und und wirklich umsichtig und geschickt und alles, aber denen fehlt eigentlich einfach das Equipment, äh das sicher machen zu können. Okay. Und das ist eben so das Limit. Und das können wir halt, ja. Also wir haben ja in der Regel zwei Fachärzte der Anästhesie dabei. Dieses Mal bringen wir auch, früher hatten wir auch nur eine Anästhesieschwester, diesmal bringen wir auch mal zwei Anästhesieschwestern mit. Okay. Genau. Also das ist das das Repertoire ist komplett abgedeckt. Ja, und dann äh eben der Regel zwei bis drei Allgemeinchirurgen kommen damit. Dann haben wir in der Regel noch einen Spezialisten einer anderen Fachabteilung dabei. Oftmals äh jemand aus der Gynäkologie. Seit mehreren Jahren haben wir einen Kollegen, äh der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie abdeckt. Okay. Ja, der macht relativ viel. Das letzte Mal war eine Kollegin da, die äh so Plastische Chirurgie äh machen kann. Da geht's hauptsächlich so um Korrektur von Verbrennungsnarben oder eben so Mund-Kiefer-Gaumenspalten und so Geschichten halt alles. Genau. Also da machen wir relativ viel und das ist extrem gewachsen im Vergleich jetzt zu den ähm zu den Ausgangsbedingungen damals vor ca. 30 Jahren. Genau.

Annette: Und der Verein sammelt hier in Deutschland Spenden, also ihr finanziert euch nur über Spenden?

Andreas: Ausschließlich Spenden. Ja. Ich meine, wir haben natürlich dadurch, dass wir das so lange machen, bildet sich natürlich auch so ein gewisser Bekanntheitsgrad und aber auch so ein so ein so ein bisschen so ein Spenderstamm, der uns eigentlich immer wieder unterstützt und durch eben durch Vorträge, durch Weitererzählen, durch Internetauftritte und und allgemeine Social Media, kann man natürlich doch einen relativ großen Spenderkreis akquirieren, um das eben zu finanzieren. Es ist zwar immer schon spannend, äh äh ob man das dann das nächste Mal in in der Größenordnung wieder können, also jetzt z.B., wenn dann größere Investitionen anstehen, kann das eben dann doch auch Auswirkungen haben auf den auf auf unsere finanziellen Möglichkeiten, äh die Anzahl der Teams im Endeffekt, ja. Also jetzt z.B. mussten wir uns einen neuen Generator kaufen, der ist relativ groß, äh und der kostet eben nicht wenig Geld, ja, aber das geht eigentlich auch inzwischen, ja. Also das jetzt ist also der kommende Einsatz, der jetzt in zwei Wochen beginnt, ist so, dass wir den komplett durchfinanziert haben und...

Annette: Okay. Denke ich, das werden wir auch in Zukunft wieder können. Also was eben doch ein ziemlicher... ähm ziemlicher Schlag ins Kontor war damals, war eben die Corona-Krise, das muss man echt sagen. Da ist eben die Spendentätigkeit extrem eingebrochen. Okay. Was aber höchstwahrscheinlich nur indirekt ähm äh so war, weil nämlich wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn wir Einsätze machen, fließen auch die Spenden. Gerade im Umkreis. Da wir das immer so zum Jahreswechsel machen, Januar bis maximal Februar, äh sind eben viele, die zu Weihnachten äh was spenden, oder statt Weihnachtsgeschenke z.B. so einen Spendenaufruf etc. Das ist relativ häufig. Und das funktioniert ganz gut. Aber das funktioniert eben nur, wenn wir auch tatsächlich Einsätze machen, aktuelle Sachen, neue Sachen berichten, und in der Corona-Zeit sind wir natürlich nicht gefahren. Äh weil eben doch alles darniederlag, da sind glaube ich zwei Jahre keine Einsätze gewesen und das merkt man dann an der Spendentätigkeit extrem. Ja. Und da dachte man schon: Oh je, ob das hier so weitergeht. Okay. Wir haben ja auch da laufende Kosten, wenn wir auch nicht da sind. Ja. Das Gebäude muss unterhalten werden, da ist auch eine Art Hausmeister, der da kontinuierlich bezahlt wird. Und die Kosten hat man dann auch, obwohl man eben keine Einsätze machen, aber ich glaube, jetzt, gerade jetzt in diesem Jahr 25, 26, ähm entwickelt sich das an sich wieder sehr gut. Ja. Also es ist auf jeden Fall so, dass wir jetzt ähm schon äh den Einsatz komplett durchfinanziert, das ist überhaupt kein Problem. Jetzt ist auch tatsächlich... zu spät, wenn wir jetzt da äh das Bedenken machen würden. Reicht jetzt das Geld oder reicht es nicht? Dass wir jetzt tatsächlich zu spät. Ja. Aber es ist so, dass wir das also gut äh über die Bühne bringen und wir auch Reserven haben, dass man an sich auch wirklich Mitte nächsten Jahres... nee, inzwischen haben wir ja 26, Mitte diesen Jahres sagen können, was eben im Januar, Februar 27 passiert. Also da, in den Bereichen denken ich jetzt, bin jetzt da viel im ähm in der ähm Personalbetreuung jetzt für die Einsätze zuständig, mach auch relativ viel in der Materialbeschaffung und allgemeiner Organisation in in Guinea. Und da denken wir an sich so in Halbjahresschritten. Ja. Also jetzt spätestens, wenn wenn wir jetzt wiederkommen, ähm Ende Februar, dann kann man, hat man vielleicht einen Monat, zwei Monate vielleicht ein bisschen Ruhe, wo man sagen, das sacken lassen kann und dann muss man aber spätestens dann die äh die Inventur, die man da jetzt am Ende des Einsatzes immer macht sozusagen, muss man dann eben aufarbeiten und klar an die die die Bedürfnisse des nächsten Einsatzes an sich schon wieder äh zusammenschreiben, gucken, wer macht was, wie viel in welcher Größenordnung ähm wollen wir den nächsten Einsatz machen, und und und. Also da kommt man eigentlich nie raus und und das na ja, macht eben auch Spaß im Endeffekt.

Annette: Macht dir Spaß und das machst du ja auch schon ewig. Und ähm, was ist so deine Motivation, das zu machen?

Andreas: Ach, das sind eben äh zwei Sachen. Klar hat man irgendwo mal so ein, so ein, so eine Art Helfersyndrom, sagen wir es mal so, da was zu tun, und es ist ja auch tatsächlich so, dass ähm dass man ja die Leute, die da operiert werden, ähm denen ist ja auch geholfen. Ja. Also äh es ist ja wirklich so, dass ähm jetzt nehmen wir mal an, äh äh da ist ein Familienvater äh mit einer großen Familie, äh der eben aber hauptsächlich eben auf dem Feld arbeitet. Das ist hat eine ganz einfache Operation oder ein ganz einfaches Krankheitsbild, der Mann hat eine Leistenhernie. Mit der Leistenhernie, wo eben der Darm dauernd äh da reinschlupft, ähm mit der kann er keine schwere körperliche Arbeit machen. So. Und wenn da eben im Endeffekt die ganze Familie äh dran hängt und das sind dann was weiß ich, über zehn Leute und der Hauptverdiener geht nicht aufs Feld. Ja, schwierig. Dann, dann wird's eben schon schwierig. Und das ist eine einfache Operation, der ist, die die Diagnostik einfach, das ist ein in der Regel sind das gesunde Menschen, die man gut operieren kann. Also da sieht man schon was. Mhm. Oder z.B. geht gibt's zeitweise, ja, da wären wir zwar manchmal wieder enttäuscht, aber im Allgemeinen glaubt man schon, dass diese extrem großen Krankheitsbilder, wo man sagt, boah, das hätte man vor zehn Jahren schon machen müssen. Die haben wir größtenteils gerade jetzt in der Region äh doch wegoperiert, die gibt's in der Form jetzt nicht mehr. Es kommen immer mal wieder doch erschreckende Krankheitsbilder von von Patienten außerhalb der Regionen, weil, weil wie gesagt, das mit der Narkose ist tatsächlich ein großes Problem, da kommen die Leute inzwischen aus Nachbarländern. Okay. Ja. Also wir haben da Leute aus Sierra Leone, aus Liberia, aus Guinea-Bissau, die, die zu uns kommen, weil sich das eben rumgesprochen hat, dass wir eben das sicher können. Mhm. Ja. Mitunter kommen die auch mit mit mit Befunden, die wir schlicht gar nicht operieren können, weil das eben gar nicht unser Fachgebiet ist. Eine Neurochirurgie z.B. äh können wir da überhaupt nicht machen. Ja. Äh, weil eben doch da die apparative Ausstattung dafür nicht reicht oder man doch eben mit zunehmender Spezialisierung eigentlich immer mehr Diagnostik braucht, die wir da nicht haben. Wir können eben nur den, den geschulten Blick, dann können wir ein EKG schreiben, noch die Sättigung messen und den Blutdruck... wird schon schwierig, oder? Den Röntgen können wir gar nicht. Röntgen habt ihr gar nicht. Dafür reicht, reicht unser Generator nicht aus. Okay. Ja, und dann muss man eben jetzt auch sagen, muss es ja auch eine Konsequenz haben, wenn's keine Konsequenz... Also wir können jetzt z.B. keine Knochenbrüche operativ behandeln, weil auch da die hygienischen Voraussetzungen dafür nicht da sind. Ja, also da wird man dem Patienten höchstwahrscheinlich mehr Schaden zufügen. Aber andererseits kann man sehr viele Frakturen auch versorgen, indem man die wirklich in Narkose reponiert, ja, und dann eben äh dann eingipst. Also stabilisiert, ja, aber operieren können wir das an sich äh können wir das da in der Form nicht. Ja, oder z.B. Katarakt-OPs. Was ein großes Thema ist, was wir gern behandeln wollten, wären Katarakt-OPs, also Grauer Star. Gibt durch die hohe UV-Strahlung gibt's viele ältere Menschen, die da wirklich mit einer trüben Linse, blinden Linse, äh Linse durch die Gegend laufen und äh da zunehmend erblinden. Ja. Also Katarakt-OP, das ist eine häufig, angeblich die häufigste OP in Deutschland. Mhm. Ist, ist mit der richtigen Ausstattung, mit der richtigen Diagnostik ist das eine Operation von 5 bis 10 Minuten. Mhm. Ja. Aber weil wir die apparative Ausstattung eben, also Mikroskop z.B., und dann gibt's da so eine, so ein Gerät, um die Linse zu verflüssigen, sowas, das haben wir eben da alles nicht. Und das wäre mein Wunsch, dass da, dass man das macht. Also, ähm... für einen selbst gibt das natürlich auch was. Aber, ähm... für einen selbst ist das natürlich auch was, weil es an sich, wird man da ziemlich geerdet. Ja. Weil an sich werden ja da ganz andere Begrifflichkeiten ins Spiel geführt. Also, was ist Zufriedenheit z.B.? Ja. Ich meine, die Begrifflichkeit Zufriedenheit, wann ist ein Mensch zufrieden z.B.? Ja. Wenn ich dann sehe, wann ist hier ein Mensch zufrieden? Wann hat er genug oder wann sagt er, okay, so lässt sich's leben? Mhm. Oder jetzt bin ich dankbar für die Behandlung hier, die ich erfahren hab, oder? Ja, z.B. ja, auch. Nee, aber ich würde das fast runterbrechen aufs Leben im Allgemeinen. Ja. Brauche ich dieses Smartphone, muss ich dieses Auto fahren oder bin ich zufrieden nur, wenn ich dieses Auto habe? Andererseits, wenn wir dann denselben... dieselbe Gattung Mensch, sozusagen, dasselbe Individuum, da ein paar Kilometer weiter südlich sieht, der ist an sich zufrieden, wenn er selbst und seine Familie gesund ist, er weiß, wie er wie das morgen aussehen wird, und er fühlt sich sicher. Ja, und ist eben gesund. Und natürlich die Ernährung etc., aber das ist äh die Menschen leiden da keinen Hunger oder sowas, das ist nicht das Problem. Aber arbeiten halt auch sehr schwer. Aber haben auf jeden Fall, sind zufrieden, sind viel schneller im Leben zufrieden. Mhm. Und kann man sagen, gibt's verschiedene Zufriedenheiten im Leben? Ich glaube eben nicht. Ja, entweder man ist zufrieden oder es ist nicht. Oder ist das eine nicht eine falsche Zufriedenheit? Ja, also da kann man ein bisschen drüber nachdenken. Ja, die Frage, woran's gemessen wird vielleicht auch, ja? Ja, genau. Ja. Oder was eben das Umfeld ja auch viel macht ja auch extrem. Und, und da kommt man eben doch... ich übertreib vielleicht ein bisschen, aber den neuen Leuten, die dann immer mal wieder dazu kommen, sag ich immer, kommt ein bisschen als andere Mensch wieder. Indem man eben wirklich ähm, das, das die Zufriedenheit oder oder oder äh das Verständnis im Leben ganz anders beurteilt auf einmal. Was brauche ich dafür, was brauche ich nicht, was ist mir wichtig? Ja, ist mir vielleicht einfach nur Ruhe und Frieden sozusagen, und Gesundheit wichtiger als Events, materielle Ausstattung etc. Also man kommt da... man wird da schon ähm bisschen umgepolt. Das lässt höchstwahrscheinlich, wenn man das jetzt ein paar Jahre hinter sich lässt... es gibt ja viele, die fahren da nur einmal mit. Höchstwahrscheinlich lässt es wieder nach. Ja, also das... vermutlich, ja? Aber trotzdem lernt man doch diese Gelassenheit, die wir vorhin angesprochen haben. Ähm, die lernt man vielleicht da auch. Mhm. Wenn man dann eben hier die Probleme sieht, auch die medizinischen Probleme, oder die allgemeinen Probleme im Leben, wenn man die sieht und über was man sich da tagtäglich aufregt, echauffiert und erregt. Dann sagt man sich dann oftmals... Lass mal. Das sind nicht die wirklichen Probleme im Leben. Ja, die wirklichen Probleme, die, kennst du noch gar nicht. Ja. Nichtsdestotrotz gibt's genug Leute auch bei uns im Land oder in der Gegend, die tatsächliche Probleme haben. Ja, natürlich. Die sich mit dem Leben rumschlagen müssen. Da ahnt die das Gros der Leute auch nichts davon. Mhm. Ja. Was da los ist. Ja. Also deshalb muss man da immer auch mal den zweiten Blick riskieren. Ja. Und den riskierst du jedes Jahr aufs Neue. Also ich versuch's auf jeden Fall. Tatsächlich ist es oftmals so, weil's dann doch so ist, ähm... erst mal passiert da auch nicht jeden Tag was Neues, das ähnelt sich schon auch immer sehr. Und dann ist es eben dann doch auch körperlich anstrengend, ja, und auch der logistische Aufwand im Vorfeld und, und, und. Dass ich dann eben fast nach jedem Einsatz sage: Okay, das war jetzt mein letzter Einsatz. Den Punkt gibt's schon auch, ja? Ach, den gibt's an sich seit 10 Jahren. Ja, aber irgendwie ist dann doch wieder so, dass man dann... der Mensch neigt ja dann auch Sachen, die jetzt negativ sind, jetzt z.B. die körperliche Belastung oder jetzt hat man sich da mal erkältet oder oder es hat irgendwas nicht so funktioniert, wie man sich das so vorgestellt hat, dann sagt man sich, puh, das willst du jetzt eigentlich nicht nochmal. Aber der Mensch neigt dazu, dass dann auch das Negative zu vergessen oder dass vielleicht das ein bisschen in den Hintergrund tritt, dass es verblasst. Und dann äh, dass man dann eigentlich die netten Sachen, jetzt z.B. äh, oder die die die angenehmen Sachen dann doch irgendwie im Hinterkopf hat und dann sagt, Mensch, dafür würde ich es eigentlich doch sofort wieder tun. Es gibt eben auch eine schöne Anekdote, das ist wirklich so. Das sind ja oft immer neue Leute dabei und die lernt man dann so intensiv kennen da. Mhm. Weil man äh sitzt da abends auf so einer Terrasse, da gibt's eben kein Fernsehen, kein Smartphone, sowas, das haben wir eben alles da nicht. Sitzt man eben auf der Terrasse und unterhält sich damit vormals fremden Leuten, da sitzt man dann beim Bier und hat dann eben auch so die Gerüche, die Geräusche da abends im Dunkeln auf dieser Terrasse. Ähm, ähm und das das das ist schon was, was die Sache sehr attraktiv macht. Also wenn mir jetzt jemand sagt z.B. äh am Tag: Pass auf, heute fliegen wir noch hin, um morgen Abend auf dieser Terrasse zu sitzen. Ja. Ich würde das sofort machen. Wirklich, es ist wirklich so. Ja. Das kann man sich nicht vorstellen, weil es wirklich auch ein Ambiente schafft, äh, das ist so attraktiv eigentlich, und und so nett, das das wirklich äh, tolles, mach man's wirklich sofort, ja. Oder eben auch die die Menschen wiederzusehen. Inzwischen sind ja da Leute rum, die die haben wir äh, Persectio entbunden. Die sind jetzt 20 Jahre alt. Ja. Wahnsinn, ne? Die laufen da rum, ja. Oder inzwischen na gut, das ist natürlich nicht ganz so positiv, inzwischen operieren wir sogar unter eigenen Rezidiven. Ja, bei den Hernien, ja. Weil wir eben schon so lange da sind und wir kennen da wirklich jeden, die kennen uns. Ja. Also das ist ja oft immer so, dass man gerade, wenn man in die Hauptstadt kommt, das ist ein, besteht zur Hälfte nur aus Slums, diese diese Hauptstadt, das ist ganz furchtbar. Da da durchzufahren und auch der Schmutz und dieses rege Treiben, dieser Dauerstau. Also es ist wirklich so, wie man sich das vorstellt. Also da will man eigentlich nicht lange sein, Gottes Willen. Aber wenn man dann eben aufs Land kommt. Da kennen die einen und und und wir kennen die und und die wissen, was wir brauchen und sowas. Und ist auch wirklich eben nett, ja, und und das macht eben auch mit einem was und dann will man dann doch irgendwie wieder hinfahren und. Also spätestens Mitte des Jahres, wenn man dann auch langsam die Planungen dann so hat, äh... so, wird's wohl Ende in der Größenordnung 2 Teams oder nur ein Team, und, und dann denkt man, ach, na ja, komm, einmal noch. Ja. Vernünftig. Ja. Und dann... So geht's eben seit... bestimmt schon seit 10 Jahren: Komm, einmal noch. Ja. Jetzt ist es wieder soweit. In 2 Wochen. Ja, und tatsächlich ist es jetzt wieder soweit und da sind wir eigentlich auch wieder mächtig aufgeregt und jetzt sind so die letzten Planungen und die letzten Komplikationen, die sind jetzt noch ein bisschen zu, zu bearbeiten. Jetzt ist unser unser Schiff mit dem... unser Schiff ist das nicht, aber das Schiff, welches das das Material transportiert, das sollte eigentlich seit seit letzten Sonntag in der Hauptstadt sein, oder schon im Hafen sein. Das liegt vor dem Hafen noch. Ja, weil das nicht äh, weil die Liegeplätze scheinbar belegt sind mit anderen Schiffen und dann steht, muss sich's anstellen sozusagen. Jetzt hoffen wir jeden Tag, dass das Schiff jetzt in den Hafen kommt, damit unser Material dann in das Landesinnere äh gebracht werden kann. Aber wir haben schon unsere ganzen Inventurlisten noch mal durchgeschaut, also wir kommen etwa so 1 Woche, anderthalb Wochen können wir sicher operieren, ohne ohne dass das Material da ist. Genau. Aber dann wird's dann schon heikel, da müssen wir dann schon gucken, dass wir die Operationen bewusst auswählen, dass wir sagen: Okay, für die Operation ist das Material da und für die anderen Operationen müssen wir eben noch warten, bis das neue Material da ist. Weil tatsächlich ist es so, dass wir da wirklich vom medizinischen äh Anspruch da sind, wo wir sagen, wir machen keine Abstriche in der medizinischen Sicherheit. Mhm. Oder in der, in der, in der Qualität der, der, der Ausstattung jetzt zum Beispiel. Also wir würden jetzt kein Material nehmen, wo wir sagen, okay, das würde ich nicht selbst auch äh haben wollen, für meine, für meine Operation. Also das ist uns ganz wichtig, dass wir da tatsächlich die Maßstäbe äh ansetzen, die wir hier auch ansetzen würden. Ja. Und im Endeffekt, wenn jemand jetzt nicht, nicht lebensbedrohlich erkrankt ist, ist es ja auch nicht notwendig, dem noch Schaden zuzufügen. Nee. In irgendeiner Weise, also da darf keiner schlechter rausgehen aus der Sache, als dass er reingegangen ist. Ja. Das ist ganz wichtig, ja, ja. Na ja, und dann... Ja, ja. Ist man dann eben auch... auch gerade wenn man mit der, mit dem Einsatz, mit der, mit der Organisation dieser Einsätze doch ziemlich betraut ist, also immer ein Team, das sind immer 3, 4 Leute, die das machen. Und dann tatsächlich dann auch was rauskommt und die Leute kommen da äh gesund an, und können da ihre Arbeit aufnehmen. Da ist man eigentlich dann auch nicht ganz unzufrieden, sagen wir es mal so. Ja. Weil es ist eben... Also gerade die Leute, das sind also drei Leute, die praktisch mit der ganzen Organisation da beschäftigt sind, ähm für diese Einsätze. Da ist eigentlich also meine Hauptarbeit ist praktisch äh gemacht, wenn die gesund alle da anfangen können, die erste Operation beginnen können. Da bin ich ja ganz froh und alles was dann noch kommt, das ist dann so obendrauf. Okay. Okay. Ja, also man sieht schon, was das mit dir macht, gell? Das Gesicht erhellt sich auch, du freust dich, du... Tatsächlich, ja, hm. Ähm, können wir als Schlusswort nehmen, dass du das vielleicht ähm allen unseren Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen raten würdest, sich einen guten Ausgleich zu suchen? Auf jeden Fall. Ja, ähm... Also, es muss ja nicht immer sowas sein, was ich da mache, aber jetzt... ich kann nur empfehlen, gerade wenn man da ähm körperlich sowieso, aber eben auch psychisch sehr angespannt ist, irgendeinen Ausgleich zu finden. Ich meine, ich kann nur, weil's mich eben selber auch betrifft, eben auch Sport empfehlen, Ausdauersportarten, da eigentlich wenn man erstmal zwei Stunden durch den Wald gelaufen ist, oder irgendwie einen halben Tag eine Skitour gemacht hat, da kommt man auf Gedanken, die wär man praktisch zu Hause vor dem Fernseher sicher nicht, nicht gekommen. Ja. Ja. Also, deshalb kann ich das auch wirklich nur jedem empfehlen, aktiv an an dem äh was weiß ich, gegen den Burnout zu zu kämpfen. Ja, dass man genau weiß, also gerade jetzt in in der Situation, jetzt wo man so OP-Koordination macht, OP-Leitung und sowas. Also das... man wär nicht der erste, der da äh da scheitert an der ganzen Sache. Deshalb ist es eben wichtig, aktiv erstmal sich bewusst zu sein, dass es sein kann und dass es passieren kann, und dass man aber rechtzeitig weiß: Okay, ich muss was tun. Also wenn man wenn man praktisch in die in die Spirale reinkommt, sozusagen, dass man eben meint, man wär unentbehrlich und und es muss organisiert werden und ich muss noch mehr machen und noch mehr machen, damit's besser läuft. Das ist ein Trugschluss. Ja, man muss man muss es eben erkennen: Oha, jetzt wird's doch irgendwie, jetzt geht's ans Limit hier die ganze Geschichte, und jetzt finde ich eben einen Ausgleich. Was auch immer. Wenn es Lesen ist oder eben äh was kann man da malen oder irgendwas, oder oder irgendwas. Aber dass man auf jeden Fall sein sein Mittelpunkt... also wenn man sich überlegt, man verbringt acht bis zehn Stunden äh des Tages verbringt man hier. Wenn das dann der einzige Lebensmittelpunkt ist... Puh. Das kann über die Jahre hinaus echt schiefgehen. Die ganze Sache. Ja, dass man dann wirklich irgendwas hat, wo man sich eben anderweitig freuen kann. Das kann die Familie, das können die Kinder sein. Ja, aber wie gesagt, ich persönlich kann immer nur Ausdauersportarten, also lange Sachen, wo man mehr als 2 Stunden irgendwie raus ist, der ganzen Sache, wo man auch einen klaren Kopf kriegt, kann ich da nur empfehlen. Okay. Geht alle laufen! Geht alle laufen, oder ähm... engagiert euch ehrenamtlich in irgendeiner anderen Form. Ja, genau. Ja, auf jeden Fall, dass man einen Ausgleich hat, ja. Ähm, aber ich meine, man kann ja nicht jeden Tag nach Afrika fahren. Nee. Aber man kann auf jeden Fall im Kofferraum die Laufschuhe haben. So ist es. Vielen lieben Dank, Andreas, für deine... für deinen Einblick, den du uns gewährt hast, für deine Erfahrungen. Ähm, ich werde alles, Kontaktinformationen, Webseite und Social Media von Mango unten im in der in der Infobox äh verlinken. Da kann man sich auch noch mal einen guten Eindruck äh von holen. Genau, man kann euch auch gerne unterstützen, ne? Das ist natürlich eine tolle Arbeit. Genau. Und ähm... ja, dann bedanke ich mich jetzt für das tolle Gespräch und wünsche euch in Afrika in zwei Wochen alles Gute und... dir für deinen weiteren Lebensweg. Vielen Dank. Ja. Vielen, vielen Dank.

Annette: So. Das war mein Gespräch mit Andreas Schulze. Dieser Blick über den Tellerrand kann manchmal unsere alltäglichen Probleme im System in ein völlig neues Licht rücken. Wenn wir uns das nächste Mal also wieder über Kleinigkeiten aufregen, hilft vielleicht einfach ein ganz bewusster Schritt zurück, um das große Ganze zu betrachten. Oder eben eine gute Runde mit den Laufschuhen, um den Kopf wieder freizubekommen. Ein riesiges Dankeschön an Andreas für diese ehrlichen und wertvollen Einblicke in seine beiden so unterschiedlichen OP-Welten. Alle Links zu Andreas und seinem Verein Mango e.V. findet ihr wie immer in den Shownotes. Schaut dort unbedingt mal vorbei, es lohnt sich. Wenn euch die Folge gefallen hat, teilt sie gerne mit euren Kollegen und Kolleginnen und macht noch mehr Menschen auf den Club der Gestalter aufmerksam. Ich sage jetzt Danke fürs Zuhören, schön, dass ihr heute wieder dabei wart. Ich würde mich freuen, wenn wir uns nächsten Freitag wieder im Club der Gestalter hören. Bis dahin sage ich ciao.

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